TESTBERICHT VON TONIO MARCIGLIANO

Ein Ode an den Leadkanal...

Wer hätte gedacht, dass leise so viel Spaß machen kann? Also ich nicht!

Das Rutzen Beasthead strotzt ja so schon vor Kraft, Ausdruck, Dynamik, Vielseitigkeit und Präsenz.

An alle, die vorhaben vor so einen Verstärker billige Gitarren zu hängen und ihn mit günstigen Effekten aufpeppen wollen. Als Sahnehäubchen auf dem Kackeberg dann noch ne Mittelpreisige Box dahinter hängen, denen sei geraten - Lasst es...Es lohnt sich nicht!

Damit schadet ihr nicht nur eurem Ohr sondern vor allem auch, dem bis ins letzte Detail liebevoll durchdachtem Verstärker. 

Eine anständige Gitarre allerdings – gespickt mit hochwertigen Einzeleffekten, kurzen hochwertigen Kabelwegen , und einer Box die dann im Wert so ungefähr einem meiner Monatsgehälter entspricht....oder am besten noch die hauseigene Rutzenbox...JAAAAAAAA...da geht das Gitarristenherz auf...Profilinggefahr ausgeschlossen denn dieser Amp frühstückt den Kemper wenn Dieser nur versucht das Beasthead zu imitieren!

Ok genug gelobhudelt...let´s get it serious guys! 

Firstly: Cleankanal – is wie der Name schon andeutet Clean. Ihr denkt jetzt vielleicht: Ja ne is klar! Aber wenn ich clean schreibe, meine ich auch clean. So clean wie dieser Kanal ist nicht einmal ein 15jähriger Ministrant der kurz vor seinem ersten Brusthaar steht!

Und das bis in die höchsten Lautstärken – Warum? Ganz einfach...das Beasthead saugt seine Power nicht aus den Endstufenröhren sondern aus den 8 Vorstufenröhren. Diese sorgen für einen butterweichen, glasklaren und himmelblauen Cleansound, der nur noch nach ein klein wenig Chorus oder einem Tremolo verlangt...ABER JA NICHT ZU VIEL! Kompressor? Firlefanz! Einen solchen Amp kann man spielen oder halt eben nicht!

Nun zum crunch Kanal....im Grunde ist der Name eine Beleidigung für diesen Kanal, was wir hier vorfinden verpasst jedem „halbverzerrtem“ Soundliebenden eine waschechte Erektion. Naja um ehrlich zu sein ist das ja auch kein crunch*schüttelfrost* Kanal, sondern ein waschechtes Highgainmonster, bei dem sogar Dimebag Darell feuchte Augen gekriegt hätte...Trick hier...den Gain lieber ein wenig „zu weit“ (Geht so was? Natürlich nicht) aufdrehen und dann mit dem Volumeregler an der Gitarre ein wenig experimentieren...der Himmel auf Erden...wenn man mal die richtige Einstellung gefunden kann man seinen heißgeliebten Plexi getrost gegen die Wand schmeißen! Und das Ganze auch bei humanen Lautstärken, denn..wir erinnern uns...Vorstufenröhren..hach, so schööön!

Ihr habt gedacht das wars? Neeeeeeeeeee ne ne ne ne ne

Jetzt wird’s erst richtig amtlich! 

Vor kurzem bestellte mich Markus Rutzen zu sich nach Hause, nach dem er, nach eigenen Angaben, noch mal etwas am Verstärker zu verbessern wolte. Er klippste einen Widerstand raus und sagte:“Das wars“...und ich dachte so in meiner jugendlichen Naivität mit einer latenter Ironie: „Na das wird’s jetzt raus reißen – ganz bestimmt“  

Also fuhr ich ahnungslos unwissend, so wie Leadkanaljungfräulich, in den Proberaum! 

Amp auf die Box...Amp angeschlossen...

Clean Kanal – as usual

Grungekanal – kenn ich!

Leadkanal – BÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄM...na da war das Jungfernhäutchen durch!

Ich geb zu, zuvor war der Leadkanal nicht mein Lieblingskanal...mehr auf Metal und ein wenig komprimierter als der crunch Kanal. Was meinen Sound nicht wirklich entgegen kommt! Außerdem gab es ein Mini-Lautstärkedefizit zwischen crunch und Leadkanal!

Wie dem auch sei...Ich stand also da und Bääämm!!!! So was hatte ich noch nicht gehört...verzerrter Sound mit runden Höhen, punchigen aber nicht quäkigen Mitten, satten Bässen...das ganz mit einem Punch, der Vitali Klitschko in einer Runde zum Knockout zwingt und dem „Roooooaar“ wie 100 Löwen die gleichzeitig brüllen! Puhh! Harter Tobak...wenn man bedenkt, dass ich den Guten gerade einmal auf 9 Uhr hab...Mal sehen was passiert wenn ich auf 12 gehe...Ok, Jetzt is die Windel definitiv nass!

Jetzt schalten wir noch vorsichtig mein Timeline in den Parallelen Effektweg...ich möchte ja eigentlich diesen Wahnsinns Grundsound versauen! Puhhh....Gott sei Dank...ein Träumchen! Solieren mit diesem Sound? Wahnsinn...ABER...man hört JEDEN FEHLER...und wenn ich Jeden schreib, dann mein ich auch Jeden! 

Was für eine Übersetzung des Sounds der aus den Finger urplötzlich in der Box und dann wiederum im Ohr landet. Das ist der absolute Wahnsinn, sogar mit Dynamiken lässt sich bei diesen Verzerrungsgraden die das Beasthead abfährt problemlos arbeiten. Das muss man sich mal vorstellen! Ein (in diesem Fall) brüllent lauter Verstärker, bei dem die Verzerrung fast ganz hoch gefahren ist und was macht meine THC-Box? Sie komprimiert nicht! Die meisten Boxen machen an der Stelle zu, spätestens wenn der Amp + Verzerrung über 12 Uhr steht, sagen die meisten Amps: Ne, Danke ich mach mal zu, Kompression bis zum Anschlag und Ende aus - Mickey Maus. Von den Boxen brauch ich hier glaub ich gar nicht erst anfangen.

Das Beasthead nicht...Das Beasthead liefert mir genau in diesem Moment den Grund warum sein Schöpfer es so benannt hat. Es springt mir ins Gesicht, lässt mir keine Zeit zum Atmen und frisst mich von innen heraus auf. Frei nach dem Motto: „If you don´t die, I eat you alive!“ Aber wenn man sein Handwerk beherrscht...und jemand der diese Qualität zu schätzen weiß, der kennt sein Handwerk...dann schafft er es auch dieses Monster zumindest im Ansatz zu bändigen. Denn auch hier reichen nur ein paar Handgriffe zu Tone/Volumepoti und die tausend Brüllenden Löwen verwandeln sich urplötzlich in einen Stampfenden Elefanten der Stonerockherzen höher schlagen lässt...noch ein bisschen drehen...da isses ja das schnurrende Kätzchen, das von so vielen Gitarristen geliebt wird, samtweich, ein wenig zickig und trotzdem rau und wenn man s mit ihm ein wenig übertreibt fängt es ganz schön fies an zu fauchen...sehr sehr geil...So, einmal kurz den Ohren eine Pause gönnen. Ne Zigarette und nen Kaffee und dann geht’s weiter.

Wieder Delay an, Volume ganz unten, Ton halten und hochziehen...Ich schwöre, ein waschechter Blauwal is grad an mir vorbei geschwommen und hat mich begrüßt! Nein, meine Drogen sind nicht besser als eure...ich spiel nur den richtigen Amp :-D. 

Und Was für ein Sustain...da brauch ich kein Ebow mehr...bei der richtigen Lautsärke hält der Amp den Ton eine halbe Ewigkeit sauber und schnörkellos ohne zu kippen. Und wenn man das doch will? Na ganz einfach...Auf dem MIDI board ein Preset mit dem Volume 2 belegen und den ansteuern, den zweiten Volume Regler einfach ein Ticken weiter aufdrehen als den Ersten und Quiiiiiieetttsch...ein Feedback vom aller Feinsten!

Zusammenfassend lässt sich sagen...

Wer diesen Amp nicht selbst anspielt ist selber schuld!!!!

Und ich brauch jetzt ne neue Unterhose

BEAST HEAD TEST